Seit über 30 Jahren ein Anker

Seit mehr als dreißig Jahren führt die Caritas der Diözese St. Pölten ein Mutter-Kind-Haus und bietet damit schwangeren Frauen und Müttern mit ihren Kindern in Notsituationen ein vorübergehendes Zuhause. Die Notlagen, in denen sich Frauen befinden, die im Mutter-Kind-Haus einen Wohnplatz suchen, sind sehr vielfältig. Viele der Frauen und Kinder haben bereits mehrere Wohnungswechsel erlebt und brauchen einen Platz, um Ruhe zu finden.

Das Mutter-Kind-Haus bietet nicht nur ein sicheres Zuhause, sondern auch wertvolle Unterstützung bei der Strukturierung des Alltags und bei Amtswegen. Vierzehn engagierte Mitarbeiterinnen, darunter Sozialarbeiterinnen, Sozialpädagoginnen, Psychotherapeutinnen und Psychologinnen in Ausbildung, stehen den Müttern mit Rat und Tat zur Seite. „Seit Oktober sind wir voll belegt mit neun Müttern und fünfzehn Kindern”, erzählt Zlata Uzunic-Erasimus, seit September 2025 neue Leiterin des Mutter-Kind-Hauses. Durch ihre langjährige Tätigkeit, vor allem in der Wohnungslosenhilfe Niederösterreichs, verfügt sie über ein ganzheitliches Verständnis für die Herausforderungen im Leben von Müttern und Kindern. „Die Leitung des Mutter-Kind-Hauses ist für mich Höhepunkt meiner beruflichen Laufbahn und mein absolutes Herzensprojekt. Gemeinsam mit dem engagierten Team setze ich mich dafür ein, Frauen und ihren Kindern weiterhin einen sicheren Hafen und neue Perspektiven zu bieten. Meine Erfahrungen in der Arbeit mit Familien und in der Teamführung bringe ich nun mit großer Tatkraft und mit Herz ein, um den Schutz, die Stabilität und die Entwicklungschancen für jede Mutter und jedes Kind hier im Haus weiter zu stärken”, so Uzunic-Erasimus.

Wer sind die Frauen, die ins Mutter-Kind-Haus kommen?

„Die Bewohnerinnen, in der Regel sind es Alleinerzieherinnen, kommen oft aus überteuerten Mietverhältnissen. Sie kommen aus betreuten Einrichtungen wie dem Frauenhaus, sie kommen von ihren Eltern und aus Beziehungen, die sehr konfliktbehaftet und schwierig sind”, weiß Zlata Uzunic-Erasimus. „Mit diesem Rucksack kommen sie zu uns ins Haus, dazu gesellen sich 
Probleme wie Überschuldung, psychische Überlastung und Überforderung. Die Bewohnerinnen sind entweder gerade schwanger oder haben auch schon ältere Kinder.” Viele Frauen haben auch schwierige Beziehungen mit ihren Partnern erlebt, da geht es um Obsorgeregelungen, Besuchsrechte oder Unterhaltszahlungen. „Wir versuchen ,die Frauen aufzufangen, zu stärken und zu schauen, dass sie diesen Situationen standhalten können”, betont die Mutter-Kind-Haus-Leiterin.

Ich habe hier mein Leben mit meinen vier Kindern selbst in die Hand genommen. Man kann es auch alleine schaffen und Verantwortung für sich und die Kinder übernehmen, das habe ich im Mutter-Kind-Haus gelernt.«

Jasmina, Bewohnerin Mutter-Kind-Haus

So wie bei Jasmina, die seit einem halben Jahr im Mutter-Kind-Haus ist. Sie hat mit ihren vier Kindern die Wohnung verlassen müssen, eine Delogierung stand im Raum, da ihr Lebenspartner die Miete seit Monaten nicht mehr bezahlt hat und sie auch noch auf den Schulden sitzen geblieben ist. In dem halben Jahr hat sich allerdings einiges getan. Vieles wurde schon geregelt, vor allem die Schulden. Jetzt geht es für Jasmina bereits in Richtung Wohnungssuche. „Es ist sehr schön hier im Mutter-Kind-Haus, ich habe schon Freundschaften geschlossen und viel Unterstützung erfahren, worüber ich sehr dankbar bin. Man ist hier nie alleine und hat immer jemanden zum Reden, das gefällt mir sehr”, freut sich Jasmina und blickt optimistisch in die Zukunft. 
„Ich habe hier mein Leben mit meinen vier Kindern selbst in die Hand genommen: das verfügbare Einkommen mit einem Haushaltsbuch einteilen, Zahlungen priorisieren, wo kann ich einsparen, wo kann ich günstig Lebensmittel kaufen. Man kann es auch alleine schaffen und Verantwortung für sich und die Kinder übernehmen, das habe ich im Mutter-Kind-Haus gelernt.”

Bei der Aufnahme in das Mutter-Kind-Haus findet ein langes Gespräch zum Kennenlernen statt. Wenn es dann so weit ist, werden die Hausregeln besprochen. Das ist besonders wichtig, wenn mehrere Frauen mit ihren Kindern in einem Haus zusammenwohnen. Nun geht es darum, die Situation zu erfassen, Ziele zu erarbeiten, die Frauen in ihrem Selbstwert zu stärken und zu motivieren, damit sie nach der Wohndauer von bis zu einem Jahr wieder selbstständig ihr Leben meistern können. Relativ rasch wird auch wieder nach einer neuen Wohnung gesucht, wobei es immer schwieriger wird, leistbare Wohnungen für Alleinerzieherinnen zu finden. „Ein weiterer Punkt für die Frauen ist, am Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen und hier eine Perspektive zu entwickeln, was mit Kinderbetreuung und der momentanen wirtschaftlichen Situation nicht einfach ist. Viele Frauen sind deshalb auf Sozialhilfe angewiesen, das ist die Realität”, weiß die Leiterin des Mutter-Kind-Hauses.

„Viele der Frauen, die zu uns kommen, haben in ihren Herkunftsfamilien kein geregeltes Familienleben erlebt. Deshalb lernen sie bei uns mithilfe einer Sozialpädagogin auch, das Familienleben mit den Kindern zu organisieren. Zu erkennen, was sind die Grundbedürfnisse der Kinder, wie geregelte Mahlzeiten, gemeinsames Essen bei Tisch, wie setze ich Grenzen, wie begleite ich die Entwicklung der Kinder”, betont Zlata Uzunic-Erasimus. „Unser Haus bietet Sicherheit und Schutz, wir haben immer ein offenes Ohr und es wird viel geredet und gelacht. 
Ziel ist es, wieder in die Selbstständigkeit zu kommen und nicht abhängig zu sein. Und es wird vermittelt, es dürfen auch Fehler passieren, es dürfen Dinge auch nicht klappen, ohne dass man Konsequenzen wie Strafen befürchten muss. Dieses Grundvertrauen kennen viele Frauen aus ihren Herkunftsfamilien nicht”, weiß Zlata Uzunic-Erasimus.

Zahlen und Fakten

  • 51 Frauen und Kinder erfuhren Geborgenheit und Begleitung im Mutter-Kind-Haus.

  • 11.925 Einsatzstunden für 160 Familien im Rahmen der Familienhilfe

  • 85 betreute Familien mit 15.593 Einsatzstunden praktischer Lebensunterstützung durch die Familienhilfe PLus

  • 128 Kinder erhielten Lernbegleitung in 4 Lerncafés.