Vielfalt LEBEN. Zukunft gemeinsam gestalten
In einem über zwei Jahre dauernden Konzeptprozess haben wir im Bereich CMB unsere Arbeit neu ausgerichtet und in vielen Workshops, Diskussionsrunden einem „Future-Day” wurden Inhalte gemeinsam mit Klient*innen und Mitarbeiter*innen diskutiert und erarbeitet und Vorstellungen für eine gemeinsame Zukunft entwickelt.
Der Konzepttitel ist zugleich Programm: „Vielfalt LEBEN. Zukunft gemeinsam gestalten”. Wir erleben unterschiedliche Personen mit den unterschiedlichsten Wünschen und Bedarfen und fragen uns, wie jede*r Einzelne individuell unterstützt und begleitet werden kann, was jede*r Einzelne individuell braucht. Und wir möchten uns GEMEINSAM weiterentwickeln – mit den Klient*innen.
Die Frage nach dem „guten Leben” für alle, nach guter Lebensqualität für Menschen mit Beeinträchtigung steht weiter im Zentrum unserer Arbeit. Wir stehen an der Seite jener Menschen, die uns brauchen, sind (anwaltschaftliche) Stimme jener Personen, die sonst ungehört, unverstanden sind. Wir erfüllen im Sinne eines menschenrechtlichen Auftrages soziale und gesellschaftliche Teilhabe, unterstützen Menschen mit Beeinträchtigungen dabei, ihre Ansprüche zu verwirklichen.
Die Person mit ihren Zielen steht für uns immer im Mittelpunkt unserer Überlegungen, wir orientieren uns an ihr. Wir begleiten individuelle Lebensentwürfe bzw. Vorstellungen. Es geht um bedingungsloses Ernstnehmen der Person und die Bereitschaft, deren Wünsche zu verstehen. Unter welchen Bedingungen kann sich eine Person bestmöglich entwickeln?
Das bedeutet auch, besonders bei Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf und keiner Lautsprache, uns fachlicher Hilfsmittel (der „unterstützten Kommunikation”) zu bedienen.
Am Weg zu einer Inklusiven Gesellschaft sind wir alle gefragt. Unsere Angebote sind auf gesellschaftliche und soziale Teilhabe ausgerichtet, dennoch sind es getrennte Systeme” – die Annäherung (und Zusammenführung) muss unser gemeinsames gesellschaftliches Ziel bleiben. Dazu sind noch deutliche Anstrengungen von allen Seiten nötig. Das neue Konzept ist durch einen partizipativen Prozess entstanden. Gefragt werden, mitbestimmen können, aber letztlich auch Entscheidungen treffen können sind Teil einer fachlichen Neuausrichtung. Das bedeutet mitunter auch, „(Entscheidungs-)Macht” abzugeben!
Wir denken (und handeln) aus Sicht der Bewohner*innen bzw. Klient*innen! Es geht um das Leben der Person selbst, um ihre Wünsche, um ihre Lebensentwürfe, um ihr Leben!
Christoph Stieber, Leitung Fachstellen für Menschen mit Behinderungen
Wohnen bedeutet, ein Zuhause anzubieten,
Wohnen heißt auch, unterschiedlichsten Wohnbedürfnissen zu begegnen und gute Rahmenbedingungen für individuelle Entwicklung zu schaffen. Und auch Wahlmöglichkeiten zu haben. Mittlerweile gibt es bei uns neben den vollbetreuten Wohnmöglichkeiten in Wohnhäusern, einige Wohngruppen, die entsprechend den Bedarfen der Klient*innen nur mehr Teilzeitbetreuung anbieten. Zusätzlich steht das Angebot der Wohnassistenz Personen zur Verfügung, die in einer eigenen Wohnung leben und nur wenig, begleitende Unterstützung brauchen.
Wir begleiten Bewohner*innen in ihrer Pension im Wohnhaus, begleiten sie ein Leben lang, auch bis ins hohe Alter und bis zum Lebensende im Wohnhaus. Sofern unsere pflegerischen Kompetenzen und Ressourcen dies zulassen und ermöglichen, auch bei sehr intensivem Pflegebedarf, möchten wir das leisten. Die Wünsche und Bedürfnisse, WIE Bewohner*innen die Freizeit verbringen möchten und WAS sie unternehmen möchten, sind so unterschiedlich wie die Wohnbedürfnisse an sich. Klient*innen bestimmen selbst, was sie in ihrer Freizeit machen möchten. Organisierte Freizeit- und Urlaubsangebote werden von den Treffpunkten für alle Klient*innen angeboten vielen Wünschen kann dabei entsprochen werden.
Arbeitsangebote und Tagesstruktur
Arbeitsangebote zu bekommen, individuell abgestimmt, bedeutet auch, auf die unterschiedlichen Bedarfe und Möglichkeiten der Klient*innen einzugehen. Wir unterscheiden zukünftig Angebote, die für die Klient*innen ihr Recht auf Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe durch Arbeit verwirklichen.
Ebenso wichtig ist ein Angebot von Beschäftigungsmöglichkeit, sozialer Anregung und Therapie für Personen mit hohem Unterstützungsbedarf. Hier geht es vor allem darum, dabei zu sein und Gemeinschaft im Sinne einer Tagesstruktur miterleben zu können. Insgesamt bleibt die Werkstatt ein Entwicklungsraum, in dem personales Wachstum möglich ist und wo Entfaltung und Lernen stattfinden können. Dazu gibt es auch ein umfangreiches Angebot an Seminaren und Fortbildungen für Klient*innen.
Was ist wichtig im Leben?
„Dass man Freunde hat und dass man zusammenhält”, meint Stefan Gric aus dem Wohnhaus St. Leonhard Melkfeld. Oft gilt es, Beziehungen und Partnerschaften zu begleiten und es zu ermöglichen, dass Sexualität gelebt werden kann. Neben der Gesundheitsvorsorge, müssen wir aber auch dem Älterwerden unserer Bewohner*innen und Klient*innen Rechnung tragen und dem wahrnehmbar höheren Bedarf an Pflege. Das bedeutet, gut ausgebildete Kolleg*innen zu haben, gemeinsame Arbeit mit Pflegeexpert*innen und Zusammenarbeit mit (Caritas-)Expert*innen in den Bereichen Demenz, Palliativdienste und Trauer. Und wir haben uns auch im Sinne der Gewaltprävention neu aufgestellt – ausgebildete Trainer*innen (nach dem Deeskalationsprogramm ProDeMa) bieten Schulungen und Seminare für Mitarbeiter*innen an! Der Schutz von Mitarbeiter*innen UND Klient*innen in Krisensituationen ist uns dabei ein wichtiges Ziel!
Eine gemeinsame Zukunft
Wir stehen auch als Caritas und im Bereich Menschen mit Behinderung mitten in einer Situation, die geprägt ist von Sorgen um Teuerung, Armut, (militärischen) Konflikten, Radikalismus und extremistischen Positionen. Wir haben dabei vor allem eines zu tun: uns für die Interessen und Anliegen von Menschen mit Beeinträchtigungen einzusetzen, sie zu stärken und auch zu ermutigen, sich für eigene Anliegen zu engagieren. Wir unterstützen Interessenvertretungen in den Werkstätten und Wohnhäusern, sind dort anwaltschaftlich, wo Menschen mit Beeinträchtigung keine verbale Stimme haben und so nicht gehört werden.
Zahlen und Fakten
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352 Frauen und Männer leben in 18 Wohnhäusern für Menschen mit Behinderungen.
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229 Frauen und Männer werden durch die Wohnassistenz begleitet.
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754 Frauen und Männer arbeiten in 16 Werkstätten für Menschen mit Behinderungen.
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133 Frauen und Männer sind in 3 Recyclingbetrieben beschäftigt.
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17 Frauen und Männer mit Beeinträchtigung arbeiten in den carlas Krems und Vitis.
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3.107 Besucher*innen bei den Treffpunkten zur Freizeitgestaltung