Junge Held*innen im Alltag
Mit dem Projekt „Kinder psychisch kranker Eltern” (KIPKE) setzt sich die Caritas St. Pölten seit 2010 das Ziel, Kinder aus betroffenen Familien bei der Bewältigung ihrer momentanen Lebenssituation kindgerecht zu unterstützen. Die Arbeit konzentriert sich dabei auf die Stärkung des Selbstwertes und die Entlastung der Kinder von Schuld- und Schamgefühlen sowie die altersgerechte Aufklärung und Beratung zur familiären Situation.
Die Mitarbeiter*innen im Projekt KIPKE versuchen, mit allen Familienmitgliedern und Kooperationspartner*innen die Bedürfnisse der Kinder zu klären, helfen beim Aufbau von sozialen Kontakten, beim Etablieren von Vertrauenspersonen und weiteren Unterstützungsmöglichkeiten. Im Rahmen des Projektes KIPKE wird seit nunmehr fünfzehn Jahren auch ein Sommercamp für Kinder und Jugendliche angeboten. Mit Unterstützung von spezialisierten Trainer*innen (Outdoor- und Gestaltpädagog*innen) werden aufregende und abwechslungsreiche Tage gestaltet. Zwischen Frühstück und Zubettgehen wird in Kreativworkshops und bei Outdooraktivitäten gewerkt, getrommelt, gewandert und getanzt. Hierbei können die Kinder ihre verborgenen Talente entdecken, eigene Stärken erkennen und positive Energie tanken. Einige Kinder fahren bereits über viele Jahre mit und genießen die Vertrautheit. Die Erfahrungen, die bisher mit dem Projekt KIPKE gemacht wurden, sind durchwegs positiv. In den zurückliegenden fünfzehn Jahren wurden über 6.300 Kinder in 5.000 Familien betreut.
Die achtzehnjährige Ashlee ist eine von rund 200 Kindern und Jugendlichen, die 2025 von KIPKE-Mitarbeiter*innen der Caritas St. Pölten betreut wurden. In einem Interview erzählt sie, wie es ihr mit der psychischen Erkrankung ihres Großvaters ergangen ist und wie ihr KIPKE und das Sommercamp geholfen haben.
Welche Ausbildung machst du gerade?
Und wie geht es dir dort im Moment?
Nach Absolvierung der WISO Langenlois (Höhere Lehranstalt für Sozialmanagement und Fachschule für Sozialberufe) mache ich seit 1. Juli 2025 eine Ausbildung zur Versicherungskauffrau bei der UNIQA in Krems bzw. in der Landesberufsschule in Schrems. Es gefällt mir sehr gut, ich bin aufgeregt, weil in der kommenden Woche das erste Mal die Berufsschule anfängt und ich dann in Schrems schlafe.
Wie bist du damals zu dem Angebot von KIPKE gekommen?
Meine Mama hat ein entsprechendes Angebot gesucht und in Krems KIPKE gefunden. Beim ersten Camp hat sich herausgestellt, dass auch eine Mitschülerin bei KIPKE ist.
Seit wann wusstest du von der psychischen Erkrankung in deiner Familie?
Mein Opa ist psychisch erkrankt, und weil meine Mama sehr jung bei meiner Geburt war, übernahmen zunächst meine Großeltern die Versorgungspflichten und wir lebten in einem gemeinsamen Haushalt.
Um welche psychische Erkrankung handelt es sich?
Mein Opa litt an einer schweren Depression.
Was ist KIPKE für dich genau?
Wie würdest du KIPKE beschreiben?
KIPKE war immer sehr aufregend, weil ich neue Menschen kennengelernt habe und letztendlich auch neue Freunde. Mit der ersten Campteilnahme ist es mir auch leichter gefallen, mit anderen in Kontakt zu kommen. Es war schön zu erleben, wie die Älteren die Jüngeren miteinbezogen haben, ohne Streitigkeiten in einer sehr ruhigen Atmosphäre.
Wie hast du die KIPKE-Sommercamps erlebt? War das eine wichtige Auszeit für dich?
Ja, schon wegen der coolen kreativen Angebote und der vielen gemeinsamen Spiele.
Wie wird dir bei KIPKE geholfen, wie läuft das ab? Gibt es etwas, das dir besonders hilfreich war?
Anhand von Büchern wurde mir erklärt, was mein Opa hat, und meiner kleineren Schwester auch. Meine Gefühle zu kennen und darüber reden zu können und auch über das, was mich belastet, hat mir sehr geholfen. Nach der Trennung von meinem Freund war ich auch wieder da und habe Hilfe gesucht. Ich habe gelernt, mir Hilfe zu suchen, und würde das auch immer wieder tun. Ich würde KIPKE und besonders das Camp auch immer weiterempfehlen, im Nachhinein war es eine sehr coole Erfahrung (ich habe meinen ersten Freund am Camp kennengelernt). 2022 war ich dann auch gemeinsam mit meiner Schwester da, davor war sie noch zu klein. Mit vielen vom Camp habe ich auch immer noch Kontakt, ab und zu hören wir voneinander und folgen uns alle auf Instagram.
Was wünschst du dir für deine Zukunft? Hast du Ziele?
Ich möchte meinen Berufsschulabschluss machen und Erfolg in der Arbeit haben, gerne auch in einer höheren Position. Ich möchte viele Kund*innen betreuen und gutes Geld verdienen.
Zahlen und Fakten
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892 Klient*innen besuchten an 13 Standorten den Club Aktiv.
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3.369 Klient*innen wurden vom PsychoSozialenDienst betreut.
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462 Klient*innen wurden in der Wohnassistenz betreut.
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64 Klient*innen leben in den PsychoSozialen Wohnhäusern Paudorf und Zwettl.
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111 Klient*innen arbeiten in den PsychoSozialen Tagesstätten Paudorf und Zwettl.
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16.039 Beratungen für Personen in der Familienberatung und Psychotherapie
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2.313 Menschen mit Suchterkrankungen sowie ihre Angehörigen fanden Beratung und Unterstützung.