Keine hochwertige Pflege ohne Pflegekonzepte
Seit mehr als 45 Jahren engagiert sich die Caritas der Diözese St. Pölten in der Pflege und Betreuung von hilfsbedürftigen Menschen daheim. In 32 Sozialstationen arbeiten mehr als 800 Mitarbeiterinnen im Bereich Betreuen und Pflegen. Im vergangenen Jahr haben sie 4.372 Kund*innen in mehr als 611.000 Einsatzstunden zu Hause betreut.
„Herzlichkeit und Mitmenschlichkeit, Vielfalt und Zusammenhalt, Achtsamkeit und Würde sind Werte, die für unsere Pflegekräfte selbstverständlich sind und zu denen sich die Caritas mit all ihren Mitarbeiter*innen, ob hauptberuflich oder freiwillig, bekennt. Das wollen wir während unserer Pflegekampagne auch wieder zeigen, genauso wie die Wichtigkeit einer hohen Pflegequalität”, sagt Bereichsleiterin für Familie und Pflege, Karin Thallauer.
Dafür sind Pflegekonzepte unerlässlich, da sie eine individuelle Betreuung gewährleisten, die auf die Bedürfnisse der Pflegebedürftigen zugeschnitten ist. Sie dienen als Grundlage für die Planung und Durchführung von Pflegemaßnahmen und tragen dazu bei, die Qualität der Pflege und Betreuung zu verbessern. Von Biografiearbeit über Kinaesthetics, Validation und basale Stimulation bis zu Aromapflege, Palliative Care und Primary Nursing – Pflegekonzepte sind essenziell für eine professionelle und qualitativ hochwertige Pflege. Eine wesentliche Steuerungs- und Beratungsfunktion kommt dabei der Primary Nurse zu, die als pflegefachlich verantwortliche Ansprechperson individuelle Bedarfe von Kund*innen erkennt und gemeinsam mit dem Team der Sozialstation für den*die Kund*in passende Pflegekonzepte umsetzt. „In jeder Sozialstation gibt es eigens geschulte Mitarbeiter*innen, die sich entlang einer Fachkarriere auch auf einzelne dieser Pflegekonzepte spezialisieren und somit als Expert*innen und Ansprechperson im Team agieren können. Besonders bewährt hat sich das Zusammenwirken von mehreren Pflegekonzepten, um individuell auf Kund*innen eingehen zu können”, erklärt Pflegedirektorin Andrea Harm.
In der Sozialstation Ybbsfeld betreuen 36 Mitarbeiter*innen zurzeit 130 Kund*innen. Gemeinsam mit Sozialstationsleiterin Marion Mottl und Pflegeassistentin Christa Leimhofer besuchen wir die langjährige Kundin Anna Schiefer. Die betagte Dame lebt alleine in einem großen Bauernhof, sie hat beginnende Demenz und wird dreimal am Tag von der Caritas-Sozialstation betreut.
Frau Schiefer sitzt bequem auf ihrem Sofa und wartet schon auf den Besuch. Ihr kleiner Stofftiger „Maxi” ist immer an ihrer Seite. Ihm erklärt sie genau, was jetzt passiert und wer da zu Besuch kommt. Nach den pflegerischen Tätigkeiten und einem entspannenden Aromafußbad mit Lavendel wird gemeinsam in einem großen Fotoalbum geblättert und viele Erinnerungen von früher kommen bei Anna Schiefer wieder zurück. „Genau das ist so wichtig für das Konzept der Biografiearbeit”, weiß Christa Leimhofer. Marion Mottl ergänzt: „Wir machen Biografiearbeit eigentlich schon ganz lang, weil das bei uns im alltäglichen Leben, in der Arbeit einfach gelebt wird.” In jeder Sozialstation gibt es jeweils auch eigene Biografieverantwortliche, die die Kolleg*innen immer wieder darauf aufmerksam machen, wie wichtig Biografiearbeit in der alltäglichen Pflege ist.
„Unsere Mitarbeiter*innen wissen, und das ist auch bei uns im Pflegeplan verankert, dass sie sogenannte ,Geschichten’ für die Pflegedokumentation sammeln sollen. Das heißt, man stellt Kund*innen bei der Betreuung Fragen über ihre Kindheit, über die Schulzeit, wie sie aufgewachsen sind, was sie gearbeitet haben, und sammelt so viele Informationen von früher, die dann im Alter oft tragend werden. Wenn es einmal zu einer unverständlichen Situation in der Pflege kommt, dann forscht man in der Biografie nach und kann hier mit individuellen Pflegemaßnahmen ansetzen”, weiß Marion Mottl.
Diese Gespräche sind sehr wichtig, um dem alten Menschen, aber auch den Angehörigen die Angst zu nehmen. Wichtig ist uns auch, dass die Bezugspflegeperson, die das Gespräch geführt hat, dann auch am ersten Tag bei der Ankunft des Bewohners oder der Bewohnerin anwesend ist, um ein vertrautes Gesicht zu sehen und Sicherheit zu haben.“
Das im Haus Elisabeth angewandte psychobiografische Pflegemodell nach Prof. Erwin Böhm geht auf die individuellen Bedürfnisse und Lebensgeschichte des Menschen ein. „In der Regel erfährt man bei diesem ersten Gespräch auch schon etwas aus der Biografie“, so Brigitte Drechsler, „und die künftigen Bewohner*innen können natürlich wichtige persönliche Gegenstände von der Bettwäsche bis zu kleineren Möbeln aus ihrem Zuhause mitnehmen.“
In jeder Sozialstation gibt es eigens geschulte Mitarbeiter*innen, die sich auf einzelne Pflegekonzepte spezialisieren. Besonders bewährt hat sich das
Zusammenwirken von mehreren Pflegekonzepten, um individuell auf Kund*innen eingehen zu können.
Andrea Harm, Pflegedirektorin
Konzept der Aromapflege
Bei der Aromapflege handelt es sich um eine anerkannte komplementäre Pflegemethode, bei der je nach Bedarf naturreine ätherische Öle und Aromapflegeprodukte verwendet werden. Wahrgenommen über den Geruchssinn oder aufgetragen auf die gesunde Haut entfalten sie ihre prophylaktische und pflegerische Wirkung.
„Wir haben die Erfahrung gemacht, dass man über Aromapflege auch in der Palliativbegleitung ganz viel bewirken kann”, sagt Sozialstationsleiterin Marion Mottl.
„Wir verwenden Pflegeöle ganz einfach bei der Körperpflege, aber vor allem, um mit Duftimpulsen positive, beruhigende und entspannende Gefühle und Erinnerungen auszulösen. Rosenöl erinnert zum Beispiel an den Blumengarten von früher, Lavendelöl wirkt beruhigend. Spezialpflegeöle helfen bei der Dekubitusprophylaxe, Mundpflegeöl kann sehr hilfreich sein bei Kund*innen, die nicht mehr gut essen und trinken können.”
Pflegedirektorin Andrea Harm freut sich, dass die Mitarbeiter*innen in den Sozialstationen Pflegekonzepte leben: „Pflegekonzepte sind somit nicht nur für die Pflegebedürftigen von Vorteil, sondern auch für das Pflegepersonal, da sie zu einer besseren Arbeitsorganisation und einer höheren Arbeitszufriedenheit beitragen.”
Zahlen und Fakten
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611.538 Einsatzstunden für 4.372 Kund*innen in 32 Sozialstationen im Bereich Betreuen und Pflegen zu Hause
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160 Bewohner*innen im Pflegeheim Haus St. Elisabeth in St. Pölten, 79 Bewohner*innen im Rahmen der Übergangspflege
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54.156 warme Mahlzeiten für 254 Kund*innen bei Essen auf Rädern
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439 Beratungen durch die Kompetenzstelle Demenz