„Es ist schön, gebraucht zu werden.”

Zahlreiche Angebote der Caritas der Diözese St. Pölten können nur deshalb bestehen, weil es Menschen gibt, die sich freiwillig, ohne Bezahlung, in ihrer  Freizeit engagieren. Auch sie schauen dorthin, wo Not ist, und setzen ihre  Fähigkeiten, Talente und Erfahrungen in diesem Sinne ein. Die Freiwilligen sind mit ihrer Zeitspende ein wichtiger und unverzichtbarer Teil des Caritas-Netzwerks.

Gemeinsam Hausaufgaben machen, gemeinsam für Schularbeiten und Tests lernen, gemeinsam kreativ sein: Das sind die Lerncafés der Caritas. Sie bieten Lern- und Nachmittagsbetreuung für Kinder an, die es zu Hause nicht so einfach haben. Sie kommen hierher, weil sie beispielsweise dem Unterricht nur schwer folgen können und/oder zu Hause keine Unterstützung bekommen. 
Viele der Kinder haben Migrationshintergrund. Ziel ist es, die Schülerinnen und Schüler im Alter von 6 bis 15 Jahren auf ihrem Weg zum Pflichtschulabschluss zu unterstützen, die Lust am Lernen zu vermitteln und gemeinsam Spaß zu haben sowie soziale Kompetenz zu stärken. Das alles wäre aber ohne die Unterstützung von Freiwilligen nicht möglich.

 

Gabriele Neuhäuser ist eine von ihnen und engagiert sich regelmäßig im Lerncafé Herzogenburg. Mehrere Freiwillige unterstützen hier neben drei hauptamtlichen Mitarbeiterinnen Schülerinnen und Schüler beim Lernen. Seit 2019 kommt die ehemalige Lehrerin an der HLW St. Pölten bereits in das Lerncafé Herzogenburg, um mit Kindern gemeinsam zu lernen und zu spielen. „Ich wollte nach meiner Pensionierung unbedingt etwas Soziales machen. 
In der Zeitung habe ich damals gelesen, dass in den Lerncafés in St. Pölten und Herzogenburg Freiwillige gesucht werden”, erzählt Gabriele Neuhäuser. „Da ich eine Tätigkeit mit Kindern wollte, war das genau das Richtige für mich”, so Gabriele Neuhäuser weiter, die selbst dreifache Mutter und bereits Oma eines Enkelkindes ist.
„Ich habe mich dann für das Lerncafé in Herzogenburg entschieden. Das Team hier ist sehr nett, wir arbeiten gut zusammen und es wird einem als Freiwillige sehr viel Wertschätzung entgegengebracht”, betont sie. Gabriele Neuhäuser kommt immer dienstags ins in das Lerncafé. „An diesem Tag sind immer die kleineren Kinder aus der Volksschule da, mit ihnen arbeite ich besonders gern zusammen. Wir starten um 14 Uhr und machen gemeinsam die Hausübung”, freut sich die langjährige Freiwillige. 
„Gelernt und vorbereitet wird natürlich auch für Tests und Schularbeiten.” 
Bis 16 Uhr sollten alle Aufgaben erledigt sein. Dazwischen gibt es eine Obstpause, bei der die Kinder mithelfen, das Obst herzurichten und aufzuschneiden. „Wenn die Kinder schon früher mit der Aufgabe fertig sind und kein Test oder keine Schularbeit ansteht, für die man üben müsste, dann dürfen sie sich natürlich eigenständig beschäftigen oder gemeinsam etwas spielen, zum Beispiel UNO”, weiß Gabriele Neuhäuser.
 

Mir geht es sehr gut und davon möchte ich auch anderen etwas weitergeben, denen es vielleicht nicht so gut geht. Darüber hinaus ist es einfach schön zu sehen, wie sich die Kinder verbessern und Erfolge in der Schule haben.

Gabriele Neuhäuser

Alle Kinder sind sehr nett, da könne man wirklich nichts sagen, freut sich Gabriele. Die größte Herausforderung seien am ehesten jene Kinder, die sich schwertun, bei der Sache zu bleiben, und sich immer wieder ablenken lassen. Da müsse man dann gut zureden und schauen, dass sie die Aufgabe zu Ende bringen. „Ich kann mich an einen Buben erinnern, der sich furchtbar schwergetan hat, konzentriert bei seinen Hausaufgaben zu bleiben”, erzählt sie. „Dann habe ich ihn immer angefeuert, ,Wir haben nochzehn Minuten, du schaffst das, du bringst das noch zu Ende.’ 
Und dann hat er sich jedes Mal dafür bedankt. Man bekommt also schon sehr viel zurück von den Kindern, spürt, dass man gebraucht wird, und fühlt sich in der Arbeit bestätigt. Ohne Freiwilligenarbeit würde vieles in unserer Gesellschaft nicht in dieser Weise funktionieren”, versucht Gabriele Neuhäuser ihre Motivation für ihr Engagement zu erklären. „Mir geht es sehr gut und davon möchte ich auch anderen etwas weitergeben, denen es vielleicht nicht so gut geht. Darüber hinaus ist es einfach schön zu sehen, wie sich die Kinder verbessern und Erfolge in der Schule haben. Das motiviert mich sehr. Daraus gewinnt man wieder viel Kraft für das eigene Tun.” Rund 100 Kinder besuchen die vier Caritas-Lerncafés in der Diözese St. Pölten. Eine große Stütze für die Arbeit in den Lerncafés sind die vielen Freiwilligen, die sich für die Kinder und Jugendlichen engagieren. Etwa 47 frei-willige Mitarbeiter*innen tragen wesentlich dazu bei, dass die Schüler*innen das Schuljahr positiv abschließen können. Im letzten Schuljahr ist es dem Lerncafé-Team gelungen, alle Schüler*innen in die nächste Schulstufe zu begleiten.

Zahlen und Fakten

  • 1.081 Menschen haben sich 2025 in der Caritas St. Pölten freiwillig engagiert.

  • Rund 60 Personen haben an Einsätzen über die Plattform „füreinand” aktiv teilgenommen und über 330 Einsatzstunden geleistet.