„Ziemlich bestes Team” in der Beruflichen Inklusion

Das Risiko, von Arbeitslosigkeit betroffen zu sein, ist für Menschen mit Behinderung ungleich höher. Trotz der schwierigen Situation am Arbeitsmarkt gelingt es der Beruflichen Inklusion der Caritas St. Pölten immer wieder, Menschen mit einer Beeinträchtigung am Arbeitsmarkt zu integrieren.

Eine dieser Erfolgsgeschichten ist jene von Vanesa Prajková. Sie hat es bis in die Sendereihe „Ziemlich bestes Team” in der ORF-Sendung „Konkret” geschafft und war dort im Oktober mit Arbeitsassistentin Susanne Grieszler von der Beruflichen Inklusion zu sehen, die ihre Klientin Vanesa schon seit einiger Zeit bei der Suche nach einem Job begleitet. Bei „Ziemlich bestes Team” werden arbeitssuchende Menschen mit Behinderungen auf ihrem Weg der Arbeitssuche durch ein Filmteam begleitet. In Bewerbungsgesprächen stellen sie den Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern ihr Potenzial vor, lernen bei Schnuppertagen und Praktika die Arbeit in einem Unternehmen kennen und berichten dann von ihren Erfahrungen vor der Kamera.

Sebastian Windisch aus dem Bezirk Horn im Waldviertel ist 18 Jahre alt und hat Trisomie 21. Im Frühling 2023, seinem letzten Schuljahr, nimmt er gemeinsam mit seiner Mutter Kontakt zur Caritas-Arbeitsassistenz in Horn auf. Die Arbeitsassistenz ist Teil des vom Sozialministeriumservice finanzierten Netzwerks Berufliche Assistenz (NEBA) und wird im Bezirk Horn von der Caritas der Diözese St. Pölten angeboten. Arbeitsassistent*innen unterstützen und begleiten Jugendliche und Erwachsene mit Beeinträchtigung bei der Erlangung und Sicherung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen. Ebenso beraten sie Unternehmen bei der individuellen Gestaltung eines Arbeitsplatzes.
Der Wunsch von Sebastian Windisch ist klar und er ist fest entschlossen: Nach der Schule möchte er arbeiten und sein eigenes Geld verdienen. Für ihn ist dies ein entscheidender Schritt ins Erwachsenenleben. Mit Unterstützung seiner Arbeitsassistentin Alexandra Stockinger erkundet er Schritt für Schritt die für ihn interessanten Tätigkeitsfelder. Dabei wird auch sein soziales Umfeld – Familie und Lehrkräfte – miteinbezogen, um seine Kompetenzen bestmöglich zu bestimmen.
Sebastian Windisch zeichnet sich durch seine einfühlsame, verantwortungsvolle und kommunikative Art aus. Besonders gerne säuberte er die Tafel in der Schule und er ist sehr ordnungsliebend. Diese Stärken führten zur Idee einer Anstellung als Hilfsschulwart – ein Beruf, in dem Sebastian seine Fähigkeiten optimal einsetzen könnte.
 

Unterstützung durch die Schule

„Vanesa hat zuerst in Wien gewohnt und wollte nach Krems zu ihrem Freund übersiedeln. Also hat sie in Krems nach einer Arbeit gesucht”, erzählt Arbeitsassistentin Susanne Grieszler. Nach einem Praktikum in der Küche des Bundesschüler*innenheims in Krems wurde sie nicht übernommen. Vanesa sei dem Stress dort nicht gewachsen war, die Begründung. „Vanesa ist eine sehr ruhige junge Frau. Sie wirkt am Anfang immer sehr schüchtern. Dahinter steckt aber eine sehr zielstrebige Person, und das ist auf den ersten Blick nicht gleich erkennbar”, sagt Susanne Grieszler. Gemeinsam schrieben die beiden unzählige Bewerbungen, doch der Erfolg blieb vorerst aus. Nur wenige Antworten kamen zurück und diese waren durchwegs negativ. „Der erste Blick geht immer auf den Lebenslauf”, weiß die Arbeitsassistentin, „da stehen natürlich auch Lücken drinnen. Es gibt zwar einen Ausbildungsabschluss, aber kaum Berufserfahrung. Und deshalb ist es sehr schwer, überhaupt zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden.” 
Es ist ihre Zielstrebigkeit, die die Kremserin trotzdem Hoffnung schöpfen lässt. „Im Sommer dieses Jahres konnte nach einer erfolgreichen Bewerbung schließlich ein Praktikumstag für September in der Küche des Landespflegezentrums in Mautern vereinbart werden und dieser hat hervorragend geklappt. Für November wurde gleich ein einmonatiges Praktikum ausgemacht”, freut sich Susanne Grieszler. Die Arbeitsassistentin ist überzeugt, dass die Rahmenbedingungen am Arbeitsplatz und die Möglichkeit, mit Lebensmitteln zu arbeiten, für Vanesa sehr gut passen, um dort auch glücklich zu werden. Denn hier ist es auch kein Problem, dass sie für manche Dinge etwas länger braucht.
 

Es ist für mich wichtig, einen Job zu haben, um etwas verdienen zu können, mich wohlfühlen und weiterentwickeln zu können.

Vanesa Prajková, Klientin

Arbeitsassistenz als große Stütze

„Susanne hat mich sehr unterstützt bei der Arbeitssuche, durch sie habe ich gelernt dranzubleiben, das hat mir sehr geholfen”, betont Vanesa. „Die erste Woche meines Praktikums ist nun vorbei und es war ein recht angenehmer Start, alle sind sehr nett und freundlich hier, auch mit meinem Chef verstehe ich mich sehr gut.
Gestartet hat meine Arbeit mit Gemüseschälen und -schneiden, dann durfte ich mit meiner Kollegin gleich zwölf Längen Apfelstrudel vorbereiten und füllen”, zeigt sich Vanesa begeistert. Auch das Küchenteam im Pflegezentrum hat Vanesa bereits ins Herz geschlossen, nicht nur wegen des Gastgeschenks, nämlich einer Torte, die sie am ersten Tag mitgebracht hat. 
Für Vanesa steht fest, hier möchte sie gerne bleiben, wenn möglich für länger. Auch mit dem Führerschein hat sie jetzt gestartet und wünscht sich für die Zukunft, weiter mit ihrem Freund zusammenleben zu können und ihr Leben selbst in den Griff zu bekommen. Auf die Frage, was es für sie bedeutet, Arbeit zu haben, antwortet Vanesa: „Es ist für mich wichtig, einen Job zu haben, um etwas verdienen zu können, mich wohlfühlen und weiterentwickeln zu können.” Nach vielen Rückschlägen scheint sie nun angekommen zu sein als Teil ihres besten Teams. Seit Februar arbeitet Vanesa fix in der Küche im Landespflegezentrum Mautern.

Die Angebote des Netzwerks Berufliche Assistenz (Jugendcoaching, Berufsausbildungsassistenz, Jobcoaching, Arbeitsassistenz und Betriebsservice) werden vom Sozialministeriumservice NÖ, die restlichen Angebote der Beruflichen Integration der Caritas St. Pölten vom AMS NÖ und Land NÖ gefördert.
 

Zahlen und Fakten

  • 1.052 Menschen mit Beeinträchtigungen wurden von der Arbeitsassistenz bei der Jobsuche begleitet.

  • 209 Klient*innen wurden durch Jobcoaching am Arbeitsplatz begleitet.

  • 318 jugendliche Klient*innen wurden durch die Berufsausbildungsassistenz in der integrativen Lehrausbildung begleitet.

  • 1.323 Jugendliche wurden durch Jugendcoaching begleitet.

  • 71 Klient*innen erhielten Arbeitstraining in der Einrichtung Beschäftigung und Berufsorientierung (BBO).