Austausch, fachliche Informationen sowie Zeit zum Entspannen und Kraft tanken sind Ziele des Stammtisches für pflegende Angehörige von Demenzerkrankten, der einmal monatlich stattfindet.

Derzeit gibt es in Niederösterreich 22.000 Demenzerkrankte. Bis zum Jahr 2050 wird sich die Zahl auf Grund der steigenden Lebenserwartung und der zunehmenden Alterung der Gesellschaft verdoppeln. Mehr als 75% aller pflegebedürftigen Menschen werden zu Hause von ihren Angehörigen betreut. „Das ist eine enorme Herausforderung für die Betroffenen“, weiß Lea Hofer-Wecer, Leiterin der Caritas Kompetenzstelle Demenz. „Die pflegenden Angehörigen sind rund um die Uhr für die an Demenz erkrankten Menschen da – sie haben kein freies Wochenende, oft nicht einmal die Zeit einkaufen zu gehen oder Zeit für sich selbst.“

2015 wurde daher der sogenannte Stammtisch für pflegende Angehörige ins Leben gerufen. Hier können sich die Betroffenen mit Menschen in ähnlicher Situation über Erfahrungen und Erlebnisse austauschen. Zusätzlich geben Caritas Demenzexpertinnen Tipps und fachliche Informationen. Eine Teilnehmerin der Angehörigenstammtische ist Katharina Grabner-Hayden. Ihre 82-jährige Mutter ist schwer an Demenz erkrankt. Die Situation ist nicht ganz einfach für die Kabarettistin und Künstlerin, denn Frau Grabner-Hayden ist selbst vierfache Mutter, einer ihrer Söhne hat eine schwere Behinderung und wird von ihr zu Hause betreut.

Namen und Termine
sind ihr entfallen

 „Begonnen hat alles vor fünf Jahren. Meine Mutter war früher Religionslehrerin und eine sehr dominante Persönlichkeit. Mein Vater ist bereits vor 20 Jahren gestorben und sie hat ihr Leben immer allein gemanagt“, erzählt Katharina Grabner-Hayden. „Durch ihr selbständiges Leben und das langsame Einschleichen der Demenz, ist uns das am Anfang nicht sofort aufgefallen. Außerdem konnte sie die Symptome in der ersten Zeit wunderbar überspielen“, erinnert sie sich. „Ich denke schon, dass ihr anfangs auch bewusst war, was mit ihr passiert. Meine Mutter hat das aber auf Konzentrationsstörungen oder Müdigkeit geschoben.“

Schließlich sind der Mutter von Frau Grabner-Hayden aber auch Namen oder Termine nicht mehr eingefallen, sie wurde orientierungslos und hat zum Beispiel vergessen, wo sie ihr Auto geparkt hat. Ab diesem Zeitpunkt war für ihre Tochter klar, dass etwas nicht stimmt. Der Zustand wurde schlechter und mit viel Mühe ist es Katharina Grabner-Hayden gelungen, ihre Mutter zu einem Facharzt für Neurologie und Psychiatrie zu bringen. Dieser diagnostizierte eine Demenz und auch eine schwere Depression, die sich vor allem in aggressivem Verhalten zeigte. „Meine Mutter hat das zwar vor dem Arzt akzeptiert, doch zu Hause ist sie mit mir ‚Schlitten gefahren‘ und hat mir vorgeworfen, dass das alles nicht stimmt und ich ihr das nur einreden möchte. Das war eine enorme Belastung für mich. Gleichzeitig musste ich aber auch für meinen schwer behinderten Sohn stark sein, diese Betreuung ist ja auch weitergegangen“, betont Katharina Grabner-Hayden die damaligen Herausforderungen. Die ohnehin spärliche Zeit für ihre Tätigkeit als Kabarettistin und Buchautorin war nun endgültig dahin.

 

 

"Beim Stammtisch für pflegende Angehörige konnte ich endlich meine ganzen Sorgen und meinen Frust abladen. Mir wurde zugehört und ich wurde vor allem ernst genommen."

 

Katharina Grabner-Hayden

Man konnte sie
nicht mehr allein lassen

„In dieser verzweifelten Situation hat mir eine Bekannte den Stammtisch für pflegende Angehörige in Furth mit der Caritas Demenzexpertin Lea Hofer-Wecer empfohlen. Dort konnte ich endlich meine ganzen Sorgen und meinen Frust abladen. Mir wurde zugehört und ich wurde vor allem ernst genommen“, erzählt Katharina Grabner-Hayden. Das Motto der Abende „Gemeinsam sind wir stark“ trifft auch auf pflegende Angehörige zu. „Wir alle können voneinander lernen und uns unterstützen“, sagt Lea Hofer-Wecer. „Wichtig ist vor allem, dass man lernt, sich klar abzugrenzen, nicht alles persönlich nimmt und Hilfe sowie Beratung von außen holt.“

Die Betreuungssituation wurde für Frau Grabner-Hayden immer intensiver: „Am Abend musste ich bei meiner Mutter bleiben, bis sie eingeschlafen war. Ich hatte ständig Panik, dass sie vergisst den Herd abzudrehen, da sie immer noch kochen wollte, es aber eigentlich nicht mehr konnte. Man konnte sie einfach keinen Moment mehr alleine lassen. Das schafft man irgendwann nicht mehr“, weiß Katharina Grabner-Hayden. Auch eine Tagesbetreuung bis mittags in einem Pflegeheim hat nicht funktioniert. „Gott sei Dank ist mir die Caritas Demenzberatung in dieser Zeit immer hilfreich zur Seite gestanden“.

Seit kurzem hat die Mutter von Frau Grabner-Hayden nun eine 24-Stunden-Betreuung. Dadurch ist Katharina Grabner-Hayden jetzt teilweise entlastet und hat wieder etwas mehr Zeit für sich selbst. Ihre Erlebnisse und Erfahrungen der letzten 5 Jahre hat sie in einem satirischen Kabarettprogramm namens „Endlich Ruhe!“ verarbeitet. Das Programm ist eine humorvolle Reise zwischen Diesseits und Jenseits und gibt tiefe und amüsante Einblicke in die morbiden Abgründe der österreichischen Seele.

HeldInnen des Alltags

„Personen, die demente Menschen zu Hause pflegen, sind HeldInnen des Alltags“, sagt Katharina Grabner-Hayden abschließend. „Das habe ich beim Stammtisch für pflegende Angehörige erkannt. Der Austausch mit den Besucherinnen und Besuchern des Stammtisches, deren Angehörige sich in den verschiedensten Phasen der Demenz befinden, tut mir irrsinnig gut. Ich bin froh, dass es so etwas gibt und wir schauen auch, dass der Humor nicht zu kurz kommt. Denn mit Humor kommt man besser durchs Leben.“

„In den Gesprächen beim Stammtisch geht es um mehr als nur die Demenz“, betont Lea Hofer-Wecer. „Es geht auch um Beratung in juristischen Fragen, um Fragen der Verantwortlichkeiten gegenüber dem demenzerkrankten Menschen. Informationen, die man sonst nur schwer bekommt.“ Lea Hofer-Wecer hat die „Kompetenzstelle Demenz“ in der Caritas der Diözese St. Pölten aufgebaut: „Wir wollen Menschen ermutigen, sich frühzeitig Hilfe zu holen sowie ein größeres Verständnis für die Krankheit in der breiten Öffentlichkeit schaffen“, so Demenz-Expertin Lea Hofer-Wecer. „Demenzerkrankte Menschen sollen in ihrer Welt gut leben können und nur dann eingeschränkt werden, wenn sie sich selbst oder andere gefährden. Das ist unser Ziel.“

 

Printversion Jahresbericht 2019 zum Download

Zahlen und Fakten

677.766 Einsatzstunden

für 4.166 KundInnen in

35 Sozialstationen im Bereich

Betreuen und Pflegen zu Hause

161 BewohnerInnen

im Pflegeheim Haus St. Elisabeth in

St. Pölten, 80 BewohnerInnen im

Rahmen der Übergangspflege

50.334 warme Mahlzeiten

für 400 KundInnen bei Essen auf Rädern

476 Beratungen

durch die Kompetenzstelle Demenz

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