Menschen mit psychischen Erkrankungen stoßen immer wieder an Grenzen, können am ersten Arbeitsmarkt aufgrund ihrer Einschränkungen nicht Fuß fassen oder schaffen es nicht, die täglichen Aufgaben und Anforderungen im Haushalt und in der Familie alleine zu bewältigen. 

Die Caritas-Tagesstätten und Wohnhäuser für Menschen mit psychischen Erkrankungen in Zwettl und Paudorf sind den Anforderungen der Klientinnen und Klienten entsprechend gestaltet. Lena Gölß lebt seit Juli 2017 in einer teilbetreuten Wohnung des Caritas-Wohnhauses Zwettl für Menschen mit psychischen Erkrankungen, seit Jänner 2018 arbeitet sie auch in der dazugehörigen Tagesstätte. Sehr offen und reflektiert erzählt die äußerst sympathische junge Frau ihre Geschichte: „Alles begann 2015. Ich war im Maturajahrgang in der HAK in Zwettl, da nahm im Herbst meine Psychose ihren Anfang. Ich hatte das Gefühl, ständig fremde Wesen und Stimmen rund um mich wahrzunehmen. Damit verbunden waren starke Angst und die Vorstellung, die Wesen könnten mir etwas tun, mich bestrafen für das, was ich tue“, erinnert sich Lena Gölß.

In der Zeit bis zur Matura, die sie mit Auszeichnung bestand, hat der Alltag noch einigermaßen funktioniert, da Lena durch die Schule eine Tagesstruktur hatte und abgelenkt war. „Unmittelbar danach haben die Zwänge begonnen, ich musste mich ständig reinwaschen von den negativen Energien und Dämonen, die ich wahrgenommen habe und die mich sonst bestraft hätten“, erzählt die heute 23-Jährige. Ein Jahr lang war sie noch zu Hause bei ihren Eltern und wollte freiberuflich als Illustratorin arbeiten. Denn eine große Leidenschaft und auch ein außergewöhnliches Talent von Lena Gölß ist das Zeichnen. Schon während ihrer Schulzeit war sie für viele Projekte künstlerisch tätig. „Das Zeichnen ist ein Ausdruck meiner Innenwelt, das Unmögliche, über das man nur schwer sprechen kann, zu Papier zu bringen“, so die junge Frau.

„Aber das Arbeiten als Illustratorin hat nicht funktioniert, denn der Waschzwang wurde übermächtig und hat meinen ganzen Tag bestimmt. Mehrere Stunden pro Tag habe ich im Badezimmer verbracht“, erzählt Lena. Die Situation hat sich immer mehr hochgeschaukelt, im März 2017 folgte ein Suizidversuch. Danach war sie in der Psychiatrie: „Dort konnte man mir wirklich helfen. Meine Situation hat sich deutlich gebessert, ich wurde mit Medikamenten gut eingestellt. Ich wusste jetzt, ich habe eine psychische Erkrankung, die man einer Diagnose zuordnen kann. Und ich habe gemerkt, ich bin nicht allein. Ich habe Menschen getroffen, denen es genau so ergangen ist wie mir. Das hat mir schon sehr geholfen“, weiß Lena Gölß. Im Juli 2017 ist sie schließlich in das Caritas-Wohnhaus Zwettl gekommen. „Zuerst war ich skeptisch, ob ich wirklich bleiben soll. Aber dann war ich sehr froh, es war die richtige Entscheidung. Denn ich habe mich in dieser Zeit total gut weiterentwickelt. Ich fühle mich wohl hier, ich habe hier meinen Platz gefunden, wo ich angenommen werde, wie ich bin."

"Das Zeichnen ist ein Ausdruck meiner Innenwelt, das Unmögliche, über das man nur schwer sprechen kann, zu Papier zu bringen."

 

Lena Gölß

Zusammenleben in der Coronakrise

Der Beginn der Coronakrise war für alle in der Tagesstätte sowie im Wohnhaus eine große Herausforderung. „Am Anfang des Jahres haben wir alle noch gewitzelt über das neue Coronavirus. Doch nach dem 13. März wurde die Tagesstätte geschlossen. Das war der Moment, als ich gemerkt habe, dass die Situation sehr ernst ist. Das Virus ist tatsächlich da und es betrifft uns alle“, erinnert sich Lena. „Ab diesem Zeitpunkt sind wir tagsüber im Wohnhaus betreut worden. Einerseits war es schwierig, da wir den ganzen Tag zusammen waren und miteinander auskommen mussten. Nicht alle konnten diese Nähe so gut aushalten, aber man hat dadurch andererseits seine MitbewohnerInnen auch auf eine ganz neue Art und Weise kennengelernt. Am Anfang hatte ich schon Angst vor dem Virus, aber auch vor der Situation an sich, dass alles zugesperrt ist und man nicht rauskann. Dass hier etwas Ungeheuerliches passiert, das aber nicht greifbar und unsichtbar ist.“

Ihre Gefühlslage hat Lena Gölß in dieser Zeit durch Zeichnen in einem Graphic Novel, einer Bildgeschichte mit dem Titel „Unser wunder Punkt“, zum Ausdruck gebracht. „Ich hatte viel Zeit, über die neue Situation nachzudenken. So eine Bildgeschichte mit Zeichnungen entsteht dann meistens innerhalb eines Tages aus einem Impuls, einer Emotion heraus. Eigentlich will ich ja keine Zeichnungen veröffentlichen, da ich immer denke, sie sind nicht gut genug. Den Graphic Novel zum Coronavirus habe ich dann aber doch Wohnhausleiterin Sylvia Hager gezeigt. Die Bildgeschichte hat viele berührt und sie wurde schließlich in der MitarbeiterInnenzeitung der Caritas veröffentlicht, was mich sehr gefreut hat.“

Kreative Leidenschaft im Werkschatz

Neben dem Zeichnen kann Lena Gölß ihre kreative Leidenschaft in der Tagesstätte aber auch noch anderwärtig voll ausleben. Sie arbeitet gerne mit Ton, formt daraus Schalen, beeindruckende Skulpturen aber auch lebende Masken nach echten Gesichtern. Außerdem hat Lena Gölß an der Entwicklung der Marke Werkschatz mitgewirkt.

„Werkschatz ist eine neue Werbelinie für unsere Produkte aus der Tagesstätte. Jedes Produkt von Werkschatz erzählt eine besondere Geschichte und ist ein besonderes Geschenk. Unser Sortiment steht für Qualität, Handarbeit und ausgewählte Rohstoffe“, betont Karl Edlinger, Leiter der Tagesstätte Zwettl. Die Werkschatz-Produkte werden alle in einer der Caritas-Tagesstätten von Menschen mit psychischen Erkrankungen in Paudorf und Zwettl oder dem Projekt Beschäftigung und Berufsorientierung in St. Pölten handgefertigt. Der Werkschatz-Shop in St. Pölten wurde bereits eröffnet. Die jeweiligen Shops in den Tagesstätten werden gerade zu einem Werkschatz-Shop umgestaltet sowie die Produkte laufend weiterentwickelt und das Sortiment erweitert. „Werkschatz bietet mir eine Möglichkeit, meine Talente und Fähigkeiten auszuleben. Daran mitzuarbeiten, war für mich sehr cool“, freut sich Lena Gölß. „Das Tolle an der Sache ist, dass wir mit vielen verschiedenen Materialien einzigartige Produkte erschaffen können. Werkschatz bedeutet für mich außerdem, Menschen Freude zu schenken.“

Zahlen und Fakten

3.113 KlientInnen

wurden vom PsychoSozialen Dienst betreut

687 KlientInnen

besuchten den Club Aktiv

an 12 Standorten

221 betreute KlientInnen

in der Wohnassistenz

64 KlientInnen

im PsychSozialen Wohnhaus Paudorf

und im PsychSozialen Wohnhaus Zwettl

95 KlientInnen

in der PsychoSozialen Tagesstätte Zwettl

und in der PsychoSozialen Tagesstätte Paudorf

1.866 Menschen mit Suchterkrankungen

sowie ihre Angehörigen fanden Beratung und Unterstützung

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